Foto-Spiele in Corona-Zeiten Teil 6

Unglaublich, aber wir sind bereits bei Woche 6 mit den kreativen Foto-Spielchen! Wir hatten inzwischen Feuer, Rauch, Tinte, Obst im Wasser und Wassertropfen – heute werden wir uns nochmals mit einem einfachen Ansatz von Food-Fotografie beschäftigen.

Dabei soll es jetzt nicht um Food-Styling gehen, was einen sehr großen Teil der Food-Fotografie einnimmt, sondern vielmehr um die Umsetzung eines Klassikers und um Grundprinzipien von Licht. Das führen wir dann weiter in einen einfachen Produkt-Shot, an dem wir nächste Woche dann weiter aufbauen. Interessiert? Dann lest weiter…

Ihr braucht für das heutige Spielchen:

  • einen schwarzen Hintergrund/Untergrund
  • eine Kamera am besten auf einem Stativ
  • eine etwas längere Brennweite (für einen engen Hintergrundausschnitt)
  • einen fernzündbaren Blitz oder zur Not ein kräftiges Dauerlicht
  • evtl. eine Sprühflasche
  • ein Blatt Papier oder besser einen Blitzdiffusor
  • einen Apfel, eine Paprika oder ähnliches

Zunächst wollen wir ein ganz einfaches Bild eines Apfels vor schwarzem Hintergrund machen. Dafür habe ich ein Stück schwarze Tafelfolie, die ich noch im Keller gefunden hatte, auf dem Tisch ausgebreitet und den altbekannten Sitzkeil als Hintergrund verwendet. Den Aufsteckblitz habe ich in der linken Hand von schräg hinten über den Apfel gehalten und mit der rechten die Kamera ausgelöst. Dabei kam so etwas heraus:

Wie ihr seht, entstand ein recht hartes Licht, also ein recht kurzer Übergang von Licht zu Schatten. Dass es nicht noch härter erscheint, liegt daran, dass der Blitz sehr wenig (ca. 20-30cm) vom Apfel entfernt war. Wäre er weiter entfernt gewesen, erschiene er kleiner (vom Apfel aus gesehen) und somit wäre auch der Übergang von Licht zu Schatten härter, also kürzer gewesen. Ich wollte jedoch, dass das Licht weicher, nicht härter wird. Somit musste ich die Lichtquelle irgendwie vergrößern. Anstatt gleich zu meinem Blitzdiffusor zu greifen, der aus meinem kleinen Aufsteckblitz eine 30cm große Leuchtscheibe macht, nahm ich einfach ein weißes Blatt Papier. Da ich aber nur zwei Hände habe, nahm ich den 10s Selbstauslöser, um beide Hände frei zu haben. Das Blatt hielt ich wieder gerade so außerhalb des Bildfeldes über den Apfel und blitzte nun auf dieses Blatt, welches somit zu einem Diffusor wurde. Aus dem ca. 5cm großen Blitz wurde somit eine 21×29,7cm große Lichtquelle – viel größer und somit weicher:

Gut zu sehen ist hier, dass der Übergang von Licht zu Schatten eine größere Fläche einnimmt – das Licht ist weicher. Als nächstes griff ich zu einer kleinen Sprühflasche und besprühte den Apfel in der Zerstäuberstellung. Simpel:

So erhaltet ihr sehr einfach ansehliche Fotos von allem möglichen Gemüse oder Obst. Es lohnt sich natürlich immer, auch mit dem Licht zu experimentieren, wofür sich natürlich ein Stativ für den Blitz anbietet, damit es immer an der gleichen Stelle bleibt und fein justiert werden kann. Um bei den Folgeaufnahmen nicht immer auf den Selbstauslöser angewiesen zu sein, steckte ich meinen Blitz in den Lichtformer, so dass ich eine Hand frei hatte. Als erstes nahm ich einen etwas farbigeren Apfel und habe den Blitz zuerst genau gleich, also leicht hinter dem Apfel belassen, dann habe ich die Lichquelle in Richtung Kamera verschoben, so dass der Blitz direkt über den Apfel hing und beim dritten Bild verschob ich Blitz und Lichtformer leicht vor den Apfel. Welches die beste Variante ist? Das hängt vom gewünschten Effekt ab, aber ich tendiere losgelöst von irgendeinem Verwendungszweck zum mittleren Bild.

Probiert es doch mal mit unterschiedlichen Dingen aus und achtet dabei darauf, wie sich das Licht verhält! Ich habe meine Küche durchstreift und einiges einfach mal für euch so fotografiert:

Wir haben vorhin das Licht weicher gemacht, indem wir die Lichtquelle vergrößert haben. Dann haben wir die Schattenwirkung zusätzlich noch verändert, indem wir die Lichtrichtung verändert haben. Ein weiterer enorm wichtiger Punkt im Verständnis von fotografischem Licht ist aber noch die Distanz! Je näher ich die Lichtquelle an ein Objekt heranbringe, desto größer wirkt die Lichtquelle, d.h. desto weicher wirkt das Licht. Zusätzlich fällt das Licht aber auch stärker ab, so dass wir einen erhöhten Beleuchtungskontrast erhalten. Haltet ihr den Blitz also weit entfernt vom Motiv, hellt der Blitz alles auf (Vorder- & Hintergrund). Bringt ihr ihn nah heran, leuchtet ihr das Motiv aus, der Hintergrund erhält hingegen praktisch kein Licht mehr. Wenn man also viel Kontrast möchte, lohnt es sich oft, den Blitz nahe an das Motiv heran zu bringen! Einen für diesen Beitrag letzten wichtigen Punkt zum Thema Licht habe ich aber noch für euch: Je weiter ihr den Blitz von einem Diffusor (unserem Blatt Papier z.B.) entfernt, desto weniger Glanzlichter entstehen auf dem Motiv! Dazu kommt aber im nächsten Fotospiel noch etwas mehr… Aber seht her:

Den gleichen Aufbau kann man natürlich auch für ein einfaches Produktfoto hernehmen. Dafür griff ich zu meiner Armbanduhr und nutze diese als Beleuchtungsbeispiel für euch. Achtung: Auch wenn ich die Uhr toll finde, ist das keine Werbung für den Hersteller und soll auch nicht als solche angesehen werden!

Oben seht ihr also ein Bild der Uhr, was ich rein mit dem vorhandenen Umgebungslicht machte. Eher langweilig… Dann nahm ich den Blitz zur Hand und ging wie oben beschrieben vor:

Hier seht ihr schön, dass das Glas der Uhr nun einen Schimmer hat, man sieht es also, das Ziffernblatt ist hingegen immernoch schön zu sehen – der Blitz ist recht weit vom Diffusor entfernt. Manchmal sieht man auch, dass der Diffusor nur halb einspiegelt, so dass man das Zifferblatt auch ohne Schein erkennen kann. Meins ist das nicht wirklich, aber ich habe es hier kurz zu Demozwecken fotografiert:

Probiert es aus! Mit solchen Kleinigkeiten kann man sich toll in das Thema “Lichtsetzung” einarbeiten – nichts läuft einem davon, niemand meckert und man kann so viel verändern, wie man möchte! Das Erlernte kann man aber auch auf alle anderen Motive übertragen: Tiere (die können weglaufen), Menschen (die können meckern) und auf alles andere auch! 😉

Wie immer würde ich mich freuen, wenn ihr entweder hier oder unter dem dazu gehörigen Facebook-Post eure Ergebnisse zeigen würdet!

Wie immer viel Spaß am Ausprobieren und bleibt gesund
Martin

 

Martin Ziaja ist gelernter Fotograf, der seit Anfang der 2000er Jahre in diesem Bereich arbeitet. Seine Tätigkeitsfelder erstrecken sich von klassischer Portraitfotografie über Hochzeiten und Aktfotografie bis hin zu Image-Projekten für Tourismus- und Architekturkunden.
Sein Wissen gibt er seit 2005 in seinen zahlreichen Fotokursen und den von ihm geleiteten Fotoreisen weiter.

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