Foto-Spiele in Corona-Zeiten Teil 4

Der Corona Lockdown hält noch immer an und daher mache ich weiter mit meiner Blog-Reihe “kreative Foto-Spielchen” – heute gibt es bereits Teil 4! Wie immer sollen die Aufgaben leicht und für jedermann umzusetzen sein. Allerdings kam nach der letzten Aufgabe eine Rückmeldung, dass jemand gerne mitmachen würde, aber einfach keinen Blitz und auch keine hell genuge Taschenlampe zur Hand hat. Aus diesem Grund möchte ich euch heute das nächste Kreativ-Spielchen präsentieren, das ihr ganz ohne künstliche Lichtquelle umsetzen könnt – ihr braucht lediglich Sonnenlicht. Und damit meine ich wirklich Sonne, bei bedecktem Himmel wird es schwer… Häufig ist direkter Sonnenschein zum Fotografieren gar nicht gewünscht, da sehr harte Schatten und starke Kontraste entstehen, aber hierbei hilft es definitiv!

Um was es geht: Es soll ein Objekt fotografiert werden, das ins Wasser fällt. Keine neue Idee, schon X mal gesehen, meist Obst oder Gemüse, manchmal auch Eiswürfel oder ähnliches. Dabei wird meist ein Aquarium verwendet, ein dunkler Studiohintergrund heruntergelassen und mit Blitzanlagen das Aquarium ausgeleuchtet. Das ist kein großes Hexenwerk, man muss nur darauf achten, dass das Glas wirklich sauber ist, sich keine Bläschen an der Glaswand festgesetzt haben und dass nichts im Glas des Behältnisses einspiegelt. Schnelle Blitzanlagen auf geringer Leistung oder Speedlights funktionieren sehr gut dabei. Aber: Diese hat eben nicht jeder! Was ihr braucht, ist folgendes:

  • ein Glas
  • ein dunkler Hintergrund (Fotokarton/T-Shirt o.ä.)
  • Sonnenlicht, das von schräg hinter dem Glas kommt
  • etwas, das ins Glas fallen soll
  • eine Kamera am besten auf einem Stativ
  • ein leichtes Teleobjektiv (größerer Abstand, kleinerer Ausschnitt)

Also habe ich mir kurzerhand ein Wasserglas aus dem Schrank geholt, mir einen Apfel klein geschnitten (und bis auf einen Schnitz gegessen) und habe mich auf den Balkon begeben… Aber hier zunächst ein Beispiel, was dabei herauskommen sollte/könnte:

Als Hintergrund habe ich einfach den bereits aus den kreativen Foto-Spielchen 1 und 2 bekannten Sitzkeil genommen und diesen auf unsere Balkon-Couch gestellt: Hintergrund fertig. Achtet darauf, dass der dunkle Hintergrund am besten kein direktes Sonnenlicht abbekommt. Ich habe es einfach so gelöst, dass ich das Kissen leicht gedreht habe. Ein Foto des Aufbaus seht ihr hier:

Wie ihr seht, ist es kein wilder Aufbau: Besagter Sitzkeil als Hintergrund, das Wasserglas habe ich auf einen kleinen Teelichthalter gestellt, so dass ich es besser vor dem Kissen positionieren konnte, meine Kamera, die Fujifilm X-T3 mit dem 18-55/2.8-4 Kitobjektiv, habe ich auf mein bewährtes Bodenstativ, das Leofoto MT-03 gesetzt und fertig war der Aufbau. Um mit dem Bodenstativ auf die nötige Höhe zu kommen, stellte ich es auf unseren Balkonsessel und legte ein dickes Buch darunter, damit die Sitzfläche nicht so nachgab… Ich hielt einen Finger in die Mitte des Glases und fokussierte das Objektiv darauf und schaltete danach wieder in den manuellen Fokus, damit dieser gleich blieb.

Bei den Kameraeinstellungen habe ich zwischen 1/1000s und 1/2000s herumgespielt. Mit Blende 8 wollte ich die Schärfentiefe ein wenig ausdehnen, um möglichst viel vom Wasser scharf zu haben und habe die ISO letztendlich soweit angepasst, dass die Belichtung passte. Hierbei zahlt sich natürlich die Arbeit mit Blitz aus, wenn man das Alles in einem abgedunkelten Raum/Studio fotografieren kann, wo alles, was an Licht auf das Motiv trifft, das Licht des Blitzes mit einer Abbrenndauer von oft nur 1/4000s und kürzer ist. Aber die Sonne tut es auch!

Zum Schluss nahm ich den Apfelschnitz in die rechte Hand und mit der linken betätigte ich den Auslöser. An der Kamera hatte ich Serienbilder (CH) sowie den elektronischen Verschluss (ES) gewählt, was mir eine Bildfolgezeit von 20fps erlaubte. Die Reihenfolge sah so aus: 1. Auslöser drücken und halten, 2. Apfel fallen lassen, 3. Auslöser loslassen, 4. Apfelschnitz aus dem Glas fischen, 5. das alles zig Mal wiederholen und 6. sich später am Rechner über die viel zu vielen Bilder ärgern… 🙂 Nein, im Ernst: Macht viele Aufnahmen, wie bei allem, was sich schnell bewegt! Löschen am PC könnt ihr jederzeit, daher lieber mehr aufnehmen, Zeiten und Blendenstufen mal variieren, mit Ausschnitten herumspielen, verschiedene Fallhöhen ausprobieren usw. Wie immer: Spielen lohnt sich! 🙂

Hier ein paar meiner Ergebnisse aus nur 5 Minuten fotografieren:


Dann wünsche ich euch wieder viel Spaß bei Ausprobieren und zeigt gerne wieder eure Ergebnisse hier oder unter dem dazu gehörigen Facebook-Post!
Martin

P.S.: Die bisherigen Spiele findet ihr hier – Streichholz, Räucherstäbchen, Tinte.

Martin Ziaja ist gelernter Fotograf, der seit Anfang der 2000er Jahre in diesem Bereich arbeitet. Seine Tätigkeitsfelder erstrecken sich von klassischer Portraitfotografie über Hochzeiten und Aktfotografie bis hin zu Image-Projekten für Tourismus- und Architekturkunden.
Sein Wissen gibt er seit 2005 in seinen zahlreichen Fotokursen und den von ihm geleiteten Fotoreisen weiter.

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