Foto-Spiele in Corona-Zeiten

Die Corona-Pandemie hat uns alle fest im Griff und auch ich musste mein Jahresprojekt “1 Portrait / Woche” pausieren. Durch die Einschränkungen, die die Krise mit sich bringt, leidet ja auch bei vielen anderen das Hobby “Fotografie”: Social Distancing, die Wohnung nur verlassen, wenn es nicht anders möglich etc. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, eine Beitragsserie zum Thema “Kreative Foto-Spielchen” zu verfassen. All diese Aufgaben sollen mit einfachen Mitteln und überall umgesetzt werden können, so dass sie jeder zu Hause auch problemlos ausprobieren kann! Ich würde mich freuen, wenn ihr diese Kreativ-Spielchen mitmacht und eure Ergebnisse entweder hier unter dem Beitrag oder auf Facebook hochladen würdet – dafür erstelle ich auf Facebook noch einen Beitrag, unter den ihr eure Ergebnisse posten könnt!

Los geht es heute mit einer recht einfachen Geschichte, bei der man seine Kamera vielleicht auch mal in Bereiche bringt, die man nicht all zu oft verwendet. Ziel ist es, ein Streichholz zu fotografieren, wenn es sich gerade entzündet. Schwierigkeit 1 ist, dass der Kopf verdammt schnell abbrennt und Schwierigkeit 2 ist, dass die Belichtung für den Kopf natürlich viel heller als die für das Holz ist. Aber gehen wir eins nach dem anderen vor…

 

Was wird benötigt:

  • Streichhölzer
  • eine Klemme, für die Streichhölzer; bei mir: Benro PP1 Tischstativ
  • Kerze oder Feuerzeug zum Entzünden
  • schwarze Hintergrundpappe (Fotokarton o.ä.)
  • eine Kamera auf einem Stativ
  • am besten ein leichtes Teleobjektiv (engerer Hintergrundausschnitt, mehr Abstand)
  • für mehr Details im Holz:
    a) Aufheller seitlich der Kameraachse oder
    b) Blitz mit Highspeedsynchronisation; bei mir: Hähnel Modus 600RT

Der Aufbau sieht folgendermaßen aus:
Der schwarze Fotokarton o.ä. wird an die Wand über einem Tisch gepinnt, ich nahm dafür einfach einen schwarzen Sitzkeil aus dem Büro. Die Halterung für die Streichhölzer (ich habe ein kleines Tischstativ mit Handyhalterung genommen und das Streichholz in die Klemmvorrichtung der Handyhalterung geklemmt) habe ich ca. 30cm – 50cm vom Hintergrund entfernt positioniert. Das Teleobjektiv an der Kamera auf das Streichholz scharfstellen und in den manuellen Fokus umschalten, damit sich dieser nicht mehr verändert. So sah das alles bei mir aus:

Streichholz am besten indirekt entzünden und im Serienbildmodus viel fotografieren! Sollte Blitz zum Einsatz kommen, diesen auf Highspeedsynchronisation stellen. Zuerst sollte aber die Belichtung für das Streichholz mit Blitz gesetzt werden und dann die Belichtungszeit für die Flamme. So kam ich bei mir für den Anfang auf 1/500s, ISO 160, f/8 – diese Werte können als Startwerte dienen, sollten aber unbedingt überprüft werden. Und immer dran denken: Beim Blitzen wird die Helligkeit des Holzes über die Blende gesteuert (=Blitzlicht), die der Flamme über die Verschlusszeit (=Umgebungslicht). Ausprobieren ist angesagt!

Ich habe zunächst eine Serie ohne Blitz fotografiert und dabei auch hier und da mal die Kamera leicht gedreht, um andere Ausschnitte zu erhalten:


Als zweites habe ich die Verschlusszeit auf 1/1000s verkürzt, um noch mehr Details beim Entzünden zu sehen. Alles andere blieb gleich:

Als nächstes nahm ich den Blitz dazu und positionierte ihn rechts der Kamera, so dass er primär das Holz und nicht den Kopf des Streichholzes traf. Die Belichtung beließ ich gleich, testete nur vor dem Entzünden die Blitzstärke aus, damit ich auch hier auf f/8 kam.

Was bei diesem ersten Testdurchlauf allerdings gleich offensichtlich wurde, ist dass der Blitz bei dieser Leistung und der hohen Serienbildgeschwindigkeit von 11 Bildern pro Sekunde nicht hinterherkam. In der oberen Zusammenstellung sieht man gut, dass nur beim ersten und beim letzten Bild voll mitblitzte. Daraufhin erhöhte ich die ISO-Empfindlichkeit 640 (entspricht 2 Blendenstufen) und reduzierte die Blitzleistung um zwei Blendenstufen. Somit blieb die Helligkeit gleich, nur der Blitz musste weniger Leistung dafür ausspucken und kam so auf schnellere Blitzfolgezeiten.

Die Lichtrichtung gefiel mir aber auch nicht wirklich. Ich schob den Blitz daher links neben den Streichholzkopf und blitzte vorher noch 1x von schräg oben (hinter dem Streichholz) und 1x von unter dem Streichholz, so dass ich ein Konturlicht auf dem Streichholz hatte und es sich nun besser vom Hintergrund trennt. Diese beiden Einzelbilder baute ich in Photoshop noch mit der eigentlichen Serie des Entzündens zusammen. Dafür öffnete ich jeweils das Entflamm-Bild zusammen mit den beiden Konturlicht-Bildern als Ebenen in Photoshop, die Flamme ganz unten und die anderen beiden Blitzbilder darüber. Diese zwei oberen Ebenen musste ich nun nur noch auf den Mischmodus “aufhellen” setzen und per Ebenenmaske den Kopf den Kopf ausblenden, fertig:

Und sollte euch dann immer noch langweilig sein, könnt ihr in der Bildbearbeitung noch mit den gemachten Aufnahmen spielen! So habe ich z.B. einfach mal eine der obigen Aufnahmen genommen, sie um 90° gedreht, kopiert und die Ebenenkopie horizontal gespieget; dann die Arbeitsfläche um 100% seitlich erweitert und die Ebenenkopie an den rechten Rand verschoben et voilà:

Oder vom anderen Flammenbild drei Ebenenkopien erzeugt, alle etwas gedreht, Arbeitsfläche wieder erweitert und Ebenenkopien verschoben und teilweise gespiegelt:

Oder man kann das Bild dann noch invertieren und über Farbton/Sättigung nach Belieben einfärben! Und und und… Aber zum Invertieren und Einfärben im nächsten Corona-Foto-Beitrag etwas mehr…

Ich würde mich freuen, wenn ich euch Lust gemacht habe, fotografisch ein wenig zu experimentieren! Und damit das Ganze etwas mehr Schwung bekommt, wäre es schön, wenn ihr eure Ergebnisse hier und/oder unter dem dazugehörigen Facebook-Post hochladen würdet, damit auch jeweils der andere sieht, was dabei herauskam!

Viel Spaß beim Ausprobieren und bis zur nächsten Foto-Aufgabe
Martin

Martin Ziaja ist gelernter Fotograf, der seit Anfang der 2000er Jahre in diesem Bereich arbeitet. Seine Tätigkeitsfelder erstrecken sich von klassischer Portraitfotografie über Hochzeiten und Aktfotografie bis hin zu Image-Projekten für Tourismus- und Architekturkunden.
Sein Wissen gibt er seit 2005 in seinen zahlreichen Fotokursen und den von ihm geleiteten Fotoreisen weiter.

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