Foto-Spiele in Corona-Zeiten Teil 2

Wie im ersten Beitrag zum Überbrücken der Corona bedingten Fotopause schon erwähnt, möchte ich euch hier ein wenig fotografisches Futter zukommen lassen. Nach den Aufnahmen von sich gerade entzündenden Streichhölzern geht es nun in Runde 2! Heute werden wir Rauchbilder fotografieren… Hä? Ja, Bilder von Rauch. Schauen wir uns das mal näher an…

 

Für das heutige Foto-Spielchen benötigen wir:

  • einen schwarzen Hintergrund (Pappe o.ä.)
  • eine Lampe als Gegenlicht (Speedlight mit Funkauslöser/LED-Taschenlampe)
  • eine Halterung für die Lichtquelle und ggf. einen Snoot/eine Wabe/einen Gobo
  • eine Kamera auf einem Stativ
  • am besten ein leichtes Teleobjektiv (engerer Hintergrundausschnitt, mehr Abstand)
  • einen Teller mit einer Halterung für ein Räucherstäbchen
  • Räucherstäbchen

Mein Aufbau sah folgendermaßen aus:

Wie bereits im letzten Spielchen-Aufbau nutzte ich als schwarzen Hintergrund einfach einen schwarzen Sitzkeil aus dem Büro – aber ein schwarzer Fotokarton, ein schwarzes T-Shirt o.ä. tut es absolut auch. Da das Kissen aber zu nieder war, erhöhte ich es einfach mit meinem Kamera-Inlay von WANDRD. Der Teller diente zum Auffangen der Asche des Räucherstäbchens, welches von einer Wäscheklammer in Position gehalten wurde. Als Lichtquelle diente zum einen mein Hähnel Modus 600RT, zum anderen aber auch eine einfach LED-Leuchte für 10,-. Die LED habe ich dazu genommen, um zu zeigen, dass man diese Bilder auch damit umsetzen kann – mann muss nur den ISO-Wert deutlich erhöhen; aber dazu später mehr. Die LED hatte ich auf das aus dem letzten Beitrag bereits bekannte Tischstativ von Benro gesetzt und mit der an der Lampe befindlichen Klemme an der Handyhalterung festgeklemmt. Der Blitz steht auf dem mitgelieferten Standfuß und wird über den Trigger von Hähnel ferngezündet, der wiederum auf meiner Fujifilm X-T3 sitzt. Die Kamera selbst wird von meinem Favoriten untern den Ministativen getragen, dem Leofoto MT-03: klein, leicht und enorm stabil und vielseitig. Auch wenn nicht nötig, aber ich tethere direkt in Capture One 12 – geht natürlich aber auch einfach direkt auf die SD-Karte der Kamera.

Mit der kleinen LED-Taschenlampe kam ich auf eine Belichtung von 1/160s bei f/5.6 und ISO3200. Ich hätte zwar noch weiter aufblenden können und somit den ISO-Wert drücken, aber da sich der Rauch immer auch wenig bewegt, wollte ich etwas mehr Schärfentiefe haben. Mit dem Blitz bin ich bei ISO160 (die Basis der X-T3),  1/250s und f/8 gelandet. Wichtig ist, dass die Lichtquelle (welche auch immer) schräg hinter dem Räucherstäbchen steht, damit der Rauch von hinten angestrahlt und der Hintergrund vom Licht aber nicht getroffen wird! Dann Räucherstäbchen anzünden und los geht’s! Auch hier gilt es aber natürlich wieder viele Bilder zu machen, da sich der Rauch ständig verändert, mal aus der Schärfeebene geblasen wird etc…

Dann wollte ich noch etwas variieren. Zuerst nahm einige Bilder auf, auf denen das Räucherstäbchen nicht zu sehen war, was die Abstraktion noch verstärkt und dann experimentierte ich noch mit dem Gegenlicht, indem ich es ewtas weiter ins Bild hinein zog, so dass ich Streulicht ins Objektiv bekam – ja, auch mit so etwas kann man spielen… 🙂

Die ganze Fotografiererei ist wirklich kein Hexenwerk. Seht einfach nur zu, dass kein Licht auf den Hintergrund fällt und schießt, was das Zeug hält! Wie beim letzten Foto-Spielchen, wollte ich es aber nicht beim Fotografieren alleine belassen – die Bildbearbeitung kommt auch noch mit dazu…
So habe ich z.B. ein Bild mit Rauchverwirbelungen in Photoshop geladen, die Seite mit dem Rauch markiert und in eine neue Ebene kopiert. Dann diese horizontal gespiegelt und die Arbeitsfläche um 100% nach rechts erweitert, so dass ich die Rauchkopie nun nach rechts schieben konnte und wir ein quadratisches Bild (ich mag Quadrate…) mit zwei Rauchsäulen vor uns haben!

Dieses Bild sagt mir so schon sehr zu, wer aber noch weiter gehen möchte, kann z.B. noch sehr einfach die Farbe des Rauches ändern! Dafür öffnet man in Photoshop einfach den Dialog “Farbton/Sättigung”, setzt das Häkchen bei “einfärben” und verschiebt die Regler nach Belieben. Beim Spielen kam ich auf ein solches Ergebnis, wobei mir die obige Variante nach wie vor besser gefällt:

Zu guter Letzt kann man natürlich das Einfärben noch mit einer vorherigen Invertierung kombinieren! Invertieren bedeutet, dass alle Farben – und somit auch alle Helligkeiten – des Bildes umgedreht werden, wie bei einem Negativ. In unserem Falle heißt das nun, dass der schwarze Hintergrund weiß wird und die Farbe des Rauches sich ebenfalls umdreht. Hier lohnt es sich aber auf jeden Fall noch den Rauch einzufärben, da dieser sonst oft zu blass wird.

Und wie immer bei solch abstrakten oder einfachen Kompositionen lohnt es sich, auch mal mehrere Bilder zusammen darzustellen. Versucht doch einfach mal, mehrere Rauchbilder zu kombinieren! In meinem Studio hingen zuletzt ebenfalls drei Rauchbilder, jedes auf 120cm Höhe, zusammengesetzt zu einem Triptychon…

Wie auch schon beim vorherigen Foto-Spielchen würde ich mich freuen, wenn ihr zu Hause auch die Kamera in die Hand nehmt und euch auch mal Rauchbildern widmet! Die Ergebnisse könnt ihr dann hier und/oder unter dem dazugehörigen Facebook-Post hochladen, damit wir alle sehen können, wie die anderen das Thema umgesetzt haben!

Viel Spaß beim Spielen und bleibt gesund
Martin

 

Martin Ziaja ist gelernter Fotograf, der seit Anfang der 2000er Jahre in diesem Bereich arbeitet. Seine Tätigkeitsfelder erstrecken sich von klassischer Portraitfotografie über Hochzeiten und Aktfotografie bis hin zu Image-Projekten für Tourismus- und Architekturkunden.
Sein Wissen gibt er seit 2005 in seinen zahlreichen Fotokursen und den von ihm geleiteten Fotoreisen weiter.

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