Fujifilm Filmsimulationen Cover

Fujifilm: Filmsimulationen (2)

In meinem letzten Beitrag habe ich eine kleine Einführung in die Filmsimulationen des X-Systems von Fujifilm gegeben. Heute möchte ich auf Möglichkeiten eingehen, wie man diese nach seinen eigenen Vorlieben anpassen kann, um den JPGs aus der Kamera seinen persönlichen Look zu verleihen.

Fujifilm bietet in den Untiefen des Menüs diverse Eingriffsmöglichkeiten, die ich hier vorstellen möchte:
Gehen wir ins Menü, landen wir gleich an erster Stelle ganz obem im IQ- also im Image-Quality-Menü und hier sind gleich alle Einstellungen zu finden, wie wir die hauseigenen Filmsimulationen verändern können. Für mich Entscheidende hieran ist allerdings nicht unbedingt nur, dass wir hier so viel nach unserem eigenen Gusto anpassen können, sondern vielmehr, dass wir diese Veränderungen dann in Benutzerprofilen abspeichern können! Hierfür geht man am einfachsten zum untersten Punkt des IQ-Menüs (BEN.EINST. BEARBEITEN/SPEICHER) und nimmt sich dort einen der sieben Speicherplätze (C1 – C7) vor. Unten seht ihr mein C7-Profil der X-T3 (affiliate link), welches ich “Acros+” genannt habe:

Aber gehen wir die Einstellungen mal der Reihe nach durch:

  • Dynamikbereich” ist eine Kontrasteinstellung, die man mit einer Ausgleichsentwicklung im analogen S/W-Bereich vergleichen kann: Wenn ich ein sehr kontrastreiches Motiv fotografierte, habe ich lieber etwas überbelichtet und dafür die Entwicklung des analogen Films verkürzt, was in einem flacheren/geringeren Kontrast resultierte. Somit konnte ich den Dynamikumfang des Films erweitern. Fotografierte man hingegen ein sehr flaues Motiv, konnte es geschickter sein, eher zu gering zu belichten und dafür die Entwicklung zu “pushen”, d.h. zu verlängern, was wiederum zu einer Aufsteilung des Kontrastes führte. Erhöhen wir also hier unseren Dynamikbereich auf DR200 (ab ISO320) oder DR400 (ab ISO640), können wir damit den Dynamikumfang des JPGs erweitern. Kontrastarme Motive können bei erhöhten Einstellungen jedoch schnell recht flau aussehen. Im Prinzip wird hier ein Bild unterbelichtet, um die Zeichnung in den Lichtern zu bewahren und im Gegenzug werden die Schattenpartien aufgehellt, was zum erweiterten Dynamikumfang führt – natürlich mit etwas mehr Rauschen in den dunklen Bildbereichen.
    → Hier rate ich, sich für eine Einstellung pro Speicherplatz zu entscheiden. Nur so kann man (oder zumindest ich) die Kontrastwiedergabe und den maximalen Belichtungsumfang abschätzen / prävisualisieren.
  • D-Bereichspriorität” ist eine ähnliche Einstellung, die sich ebenfalls auf den Dynamikumfang bezieht. Hier wird allerdings die Kontrastkurve / Gradationskurve generell verändert. Dies führt u.a. dann auch dazu, dass die Werte für Lichter und Schatten, die wir weiter unten angeben können, überschrieben würden.
    → Diese Einstellung habe immer deaktiviert, da ich ansonsten keinerlei Chance mehr habe, das Bild im Vorfeld einzuschätzen.
  • Die “Filmsimulation” erlaubt uns natürlich eine der vorgefertigten Filmsimulationen von Fujifilm als Basis zu nutzen.
    → Die vorgefertigten Filmsimulationen habe ich in diesem Blogbeitrag vorgestellt.
  • S&W-Einst. A/B (Warm/Kalt)” erscheint nur, wenn ihr euch für eine schwarzweiße Filmsimulation, also der Acros- oder Schwarzweißvarianten entscheidet. Sie erlaubt uns, die Tönung der monochromen Filmsimulation einzustellen und somit den Bildern leicht wärmere oder kühlere Grautöne zuzuweisen.
    → Diese Einstellung ist reine Geschmackssache, kann den Bildern aber auch das besondere Etwas geben.
  • Der “Körnungseffekt” simuliert analoges Filmkorn. Bei früheren Modellen des X-Systems fand ich diese Einstellung zu grob und habe das Korn lieber später am Rechner hinzugefügt. Seit den aktuellen Kameras (z.B. X-T4, X100V etc.) kann man hier aber etwas feiner Einstellen, in dem man die Rauheit und die Größe des Filmkorns separat einstellen kann.
    Wer aber volle Kontrolle über das Aussehen und die Verteilung von Filmkorn wünscht, sollte derzeit wohl noch immer zur Nachbearbeitung am Rechner greifen.
  • Der “Farbe Chrome-Effekt” verstärkt die Farben in den dunklen Bildbereichen; es gibt drei Optionen: stark, schwach und aus. Bei aktuellen Kameras gibt es inzwischen noch den “Farbe Chrome FX Blau”, der natürlich rein auf die blauen Farbtöne abzielt.
    → Auch hier dreht es sich um eure eigene Vorlieben, wie farbig ihr eure Bilder möchtet.
  • Weißabgleich” erlaubt uns natürlich, die Farbstimmung unserer Bilder zu beeinflussen, die primär von der Hauptlichtquelle der zu fotografierenden Szene abhängt. Fujifilm bietet neben der “normalen” Kelvin-Einstellung (bzw. den WB-Presets) noch das Koordinatensystem im zweiten Schritt, in dem man die Farbstimmung abschließend noch auf der Grün-Rot- und der Gelb-Blau-Achse verschieben kann, was ein unglaublich gutes Finetuning der Bildstimmung erlaubt!
    → Nehmt euch unbedingt die Zeit und experimentiert mit den Farbeisntellungen, besonders der im Koordinatensystem! Es gibt kaum bessere Möglichkeiten, seinen eigenen Farbstil in die Bilder einfließen zu lassen.
  • Ton-Lichter” bzw. “Ton-Schatten” erlauben den Eingriff in die Kontrastkurve der Filmsimulationen. Hier kann ich z.B. den Kontrast in den Lichtern etwas verringern und/oder den Kontrast in den Schatten etwas erhöhen. Bei den aktuellen Kameras (X-T4, X100V etc.) sind diese beiden Punkte als “Tonkurve” zusammengefasst.
    → Besonders im S/W-Bereich sind mir persönlich die meisten vorgefertigten S/W-Umsetzungen zu flau, so dass ich hier immer die Lichter noch etwas heller und die Schatten noch etwas dunkler mache.
  • Farbe” – im obigen Beispiel ausgegraut, da ich eine monochrome Filmsimulation gewählt habe, ist eine übliche Sättigungseinstellung, also wie knallig die Farben generell wiedergegeben werden sollen.
    → Hier kommt wieder der eigene Geschmack ins Spiel: eher knallig/Quietschbonbon oder reduziert/ruhige Farbgebung?
  • Schärfe” ist wie jede digitale Schärfungsfunktion mit Vorsicht zu betrachten. Ein digitales Schärfen macht nichts anderes, als an Kontrastkanten die dunkle Seite noch weiter abzudunklen und die helle Seite der Kontur weiter aufzuhellen.
    → Ein zu hoher Wert sieht schnell schlimm aus und kann selbst in der Nachbearbeitung praktisch nicht mehr rückgängig gemacht werden. Wenn überhaupt, dann empfehle ich hier nur sehr geringe Werte.
  • Rauschreduktion” reduziert das besonders in dunklen Bildbereichen auftretende Bildrauschen, was allerdings auch zu einem Verlust an Details im Bild führt.
    → Da mit persönlich heutige Digitalfotos oft schon zu glatt, zu künstlich aussehen, greife ich sogar meist zu negativen Werten.
  • Zuletzt erlaubt uns die Einstellung “Benutzerdef. Name eingeben” inzwischen auch die Benennung von C1 bis C7, was eine wirkliche Verbesserung zu älteren Fujikameras darstellt.
  • Reset” setzt die oben gemachten Einstellungen alle wieder auf Werkseinstellungen zurück.

All diese Einstellungen erlauben ein hohes Maß an Feinabstimmung, so dass man wirklich den JPGs aus der Kamera seinen eigenen “Look” verleihen kann! Aus diesem Grund rate ich euch unbedingt, euch mit den Einstellungen eurer Fujifilm X-Kamera vertraut zu machen! Hat man sich einmal damit auseinander gesetzt und seine Einstellungen gefunden, erlaubt das wirklich, länger am Fotografieren und weniger vor dem Rechner zu sein… 🙂

Natürlich sind die “Ratschläge”, die ich zu den jeweiligen Punkten nenne, meine rein persönliche Meinung, die zu meiner Art zu fotografieren passt. D.h. sie müssen nicht unbedingt zu eurem Stil passen, es sind rein Vorschläge von mir.

Im nächsten Beitrag wird es mit der Organisation und dem Überblick über die eigenen Einstellungen weitergehen. Schaut also wieder rein!
Martin

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Comments

  1. Hallo Martin,

    vielen Dank für diesen umfassenden und hilfreichen Beitrag.

    Ich habe folgendes Problem:
    Bei meiner XT-30 kann ich zwar die Standard Filmsimulationen sehen – kann diese aber nicht bearbeiten. Die Flächen sind grau und nicht aufrufbar.

    Kennst du zufällig dieses Problem und kann weiterhelfen.

    Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen!

    Vielen Dank im Voraus und einen schönen Tag 🙂

    Beste Grüße Yasmina

    1. Author

      Hallo Yasmina,
      freut mich, dass dir der Beitrag gefällt!
      Ich habe zwar keine X-T30 zur Hand, aber tippe darauf, dass du die Kamera auf “Auto” (Hebel auf der Oberseite der Kamera) stehen hast? Im Auto-Modus ist nur Standard (Provia) möglich. Wechselst du aus dem Auto-Modus, sollten alle Filmsimulationen wählbar sein. Beantwortet das deine Frage?
      Viele Grüße
      Martin

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