Schottland im Herbst - Teil 3

Schottland im Herbst – Teil 3

Mit diesem dritten Teil des Rückblicks auf meine vergangene Fotoreise vom Oktober 2015 schließe ich diese Reise hier auch ab (hier gibt’s Teil 1 und Teil 2). Bis dahin statten wir aber St. Columba und den Feen einen kleinen Besuch ab, schauen uns die wohl berühmteste Kurve Schottlands nochmals von oben an, blicken über Skyes bekanntesten Leuchtturm in Richtung Äußere Hebriden, fotografieren das Tal der kleinen Muscheln leider doch nicht im Mondesschein, bevor wir dann schließlich den Heimweg über die nicht ganz korrekte Landungsstelle Bonnie Prince Charlies und das Schlosse von Aaaaaaah antreten. Aber eins nach dem anderen… 🙂

Unser letzter voller Tag auf Skye beginnt mit tollem Wetter, das wir voll ausnutzen wollen! Daher beschließen wir, uns lieber etwas zum Lunch mitzunehmen und stoppen „nur kurz“ an der Skye Baking Company – was natürlich zu einem mittleren Shoppingstop wird, da die Galerie im Obergeschoss immer wirklich nette Mitbringsel etc. bietet. Trotzdem decken wir uns mit leckeren Paninis (für mich die besten Backwaren auf Skye) ein und machen uns weiter auf in Richtung Westen. Unser erstes Ziel ist St. Columba’s Isle, kurz bevor der River Snizort in das gleichnamige Loch mündet. Eine spektakuläre Location ist das zwar nicht, aber ich bin einfach gerne dort: Die alten Gräber, die verfallene Kapelle, die moosbewachsenen Bäume und jetzt natürlich auch die tollen Herbstfarben in den Bäumen zusammen mit der Tatsache, dass ich bisher noch nie andere Leute dort getroffen habe, ziehen mich immer wieder dort hin. Außerdem liegt dort Ronald MacDonald begraben (allerdings habe ich keinen Hinweis auf Zutun von Burger King gefunden)…

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Als wir den kurzen Fußweg vom Auto zur Insel zurückgelegt hatten, erschien direkt vor uns einer der leuchtendsten Regenbögen dieser Reise – was zu etwas Hektik auf dem engen Brückchen führte…  Hab ihn trotzdem noch erwischt!

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Nach diesem gemütlichen Start in den Tag fuhren wir an der Westküste zunächst nochmals nach Uig, denn das Fairy Glen stand ebenfalls auf dem Plan heute.So unspektakulär diese kleine Tälchen von der Straße aus wirkt, so interessanter wird es, wenn man etwas genauer hinschaut.

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Aber richtig toll wird es erst, wenn man ein paar Schritte in die Hügelchen hinein läuft! Wie es zu seinem Namen kam, ist mir zumindest völlig klar…

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Bei diesem tollen Wetter entschlossen wir uns danach, doch noch dem nahe liegenden Quiraing nochmals bei gutem Wetter einen Besuch abzustatten (wir hatten es ja bereits nachts und im Regen).

Begrüßt wurden mir dort mit einem Spotlight auf die Needle – als ob uns das Wetter sagen wollte: Dort wird’s richtig erst richtig gut!

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Der Weg zum Goldtopf führt ein wenig später an diesem ikonischen Bäumchen vorbei – eines der wenigen, das noch steht!

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Direkt dahinter kommt rechter Hand ein Fels, der ebenfalls sehr gern als Vordergrund für den Blick über die Trotternish Ridge genutzt wird. Wie wichtig es ist, sich an einer bestimmten Location etwas zu Zeit zu lassen und etwas zu warten, zeigen die folgenden Bilder, die nur kurz nacheinander entstanden sind. Zuerst hatte ich wie eine Art Spotlight auf dem Felsen:

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Kurz darauf kam die Sonne weiter über Berge und brachte mehr Sonne in die Ebene:

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Jedoch lohnt es sich ebenso oft, ein paar kleine Schrittchen zur Seite zu gehen, um eine andere Perspektive zu erkunden. In diesem Fall bin ich 3 Schritte nach links gegangen, wodurch ich besagten Fels nicht mehr im Auf- sondern im Gegenlicht fotografierte.

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Stativ wieder über die Schulter gelegt, umgedreht und schwupps, sah das Quiraing schon wieder anders aus… 🙂

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Auf dem Rückweg zum Auto drückte ich beim Bäumchen vom Anfang auch nochmals kurz auf den Auslöser. Dieses Mal jedoch oben vom Weg, ohne hinunter zu kraxeln/rutschen, denn das Licht war wenige Sekunden später schon wieder weiter gezogen…

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Dieses wunderschön sonnige Wetter schrie geradezu nach einer Sonnenuntergangssession! Daher packten wir hier im Norden wieder zusammen und machten uns auf in Richtung Neist Point auf Duirinish. Weit kamen wir allerdings nicht, da wir gleich in Uig noch eine kleine Toilettenpause im Uig Hotel einlegten. D.h. die Mädels legten sie ein, ich ging lieber auf die andere Straßenseite, wo der alte Watchtower steht:

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Und noch ein kurzes Stück weiter, fuhren wir dann auch endlich mal an ein paar Highland Cattle vorbei – nachdem ich diese Reise UND die Aprilreise vergebens nach dem Vieh gesucht habe, mussten wir hier natürlich auch noch kurz stoppen!

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Aber nun hieß es wirklich „Zusammenpacken“ und ohne weiteren Stopp in Richtung Duirinish! So schön dieser Leuchtturm auf seiner Klippe auch ist, es ist aber einfach eine lange Fahrt dort raus. Außerdem haben viele Restaurants, Cafés und Shops so spät im Jahr bereits zu – daher ist es immer ein kleines Wagnis die weite Fahrt auf sich zu nehmen (bei der Aprilreise wurden wir auf den letzten Metern von dichtem Seenebel empfangen…). Dieses Mal jedoch hatten wir Glück, das Wetter spielte uns keinen Streich! Bevor wir uns aber den Klippen mit dem bekannten Leuchtturm widmeten, fotografierten wir erst noch ein wenig nach Süden in Richtung des Waterstein Head:

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Aber die Postkartenansicht, die wohl die meisten vor Augen haben, wenn sie an Neist Point denken, ist wohl eher diese hier (der Größenvergleich des kleinen Männchens auf dem höchsten Punkt der Klippe war noch ein zusätzlicher Bonus):

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Um als Alternative das Wasser etwas zu beruhigen, nutzte ich zusätzlich zu meinem Ray Masters ND8 Grauverlaufsfilter (Amazon Partnerlink) einen Ray Masters ND16 Graufilter, der die Belichtung um vier Blendenstufen verlängert.

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Wieder einmal ein paar Schritte zur Seite brachten den nun angestrahlten Hang besser zur Geltung. Ein paar Schritte nach rechts schufen einen neuen, eher felsigen Vordergrund:

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Dann verschwand langsam die Sonne hinter den Wolken und bevor meine liebste Zeit hier oben anbrach machte ich noch schnell eine Teleaufnahme von den Äußeren Hebriden:

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Und dann war es endlich soweit, die Sonne war hinter dem Horizont und beleuchtete nur noch die Wolken von unten – der sogenannte „Afterglow“. Für mich, eine der schönsten Lichtsituationen in der Landschaftsfotografie!

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Bei diesem Licht wird die Landschaft oft in wirklich rote Töne getaucht, was nicht jedermanns Sache ist, vielen finden das zu kitschig und abgegriffen. Alternativ kann solche Situationen natürlich auch für die Schwarzweißfotografie nutzen!

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Wenn aber noch ein wenig wartet, lässt die Helligkeit des Tageslichts immer mehr nach und es gibt dann eine kleine Zeitspanne, in der die Landschaft, das Licht des Leuchtturms und der Restschein der Sonne am Himmel perfekt miteinander harmonieren. Bloß muss man sich bei diesem Anblick dann auch noch so weit im Griff haben, dass man nicht vergisst, auf den Auslöser zu drücken… 😉

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Leider war es auch recht windig dort oben und meine Teilnehmer waren dann irgendwann sehr durchgefroren, so dass wir das Abendessen im Warmen einer möglichen Nachtaufnahme hier draußen vorzogen. Also packten wir zusammen und fuhren in Skyes ältestes Pub, das Watersteinn Inn.

Gut gesättigt und vom offenen Feuer wieder gewärmt, traten wir also nach die Fahrt zurück nach Portree an. An unserer Unterkunft schaute ich nach oben und dachte mir: „Mensch, sternenklar und das auf Skye – eigentlich sollten wir noch ein paar Nachtaufnahmen machen…“ Daher fragte ich kurz und zwei Teilnehmer wollten wirklich nochmals los! Kurzerhand fuhr ich nach Sligachan (übersetzt: kleine Muscheln), wo ich wegen der fehlenden Bebauung auf möglichst wenig Lightpollution hoffte. Dort angekommen, hatte die Bewölkung leider zugenommen, so dass von Sternen leider gar nichts mehr zu sehen und es wirklich stockdunkel war… Egal, wir bauten trotzdem vor der alten Brücke auf – und belichteten LAAAANGE. Um die Brücke noch etwas herauszuholen, leuchtete ich diese mit einer starken Taschenlampe während der gesamten Belichtung aus.

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Für das letzte Bild auf Skye dieser Reise gingen wir auf besagte Brücke, da ich nur den Fluss mit den Bergen im Hintergrund wollte und fotografierte ein kleines Panorama aus nur zwei Querformaten:

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Damit gingen wieder einmal ein paar schöne Tage auf Skye zu Ende, denn am nächsten Morgen ging es für uns wieder zurück in Richtung Festland. Früh morgens nahmen wir die Fähre von Armadale nach Mallaig, von wo aus wir die Road to Isles nach Fort William nahmen. Leider waren wir zeitlich recht begrenzt, da eine Teilnehmerin bereits heute ihren Rückflug von Edinburgh erwischen musste. Somit ließ ich einige Spots, wie die Silver Sands of Morar und andere schweren Herzens aus und fuhr direkt nach Glenfinnan. Die berühmte „Harry Potter“-Brücke aka Glenfinnan Viaduct hat sich explizit einer meiner Teilnehmer gewünscht. Dieses Mal lief ich aus Zeitgründen jedoch nur zum „normalen“ Viewpoint oberhalb des Visitor Centers, der den klassischen Postkartenblick auf den See und das Monument bietet.

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Farblich gehört die komplette Road to the Isles für mich zu den tollsten Gegenden Schottlands im Herbst. Daher kam ich auch nicht um ein Panorama herum, das diese Farbenpracht nochmals verdeutlicht!

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Unsere Mittagspause legte ich wieder im Castle Stalker Viewpoint Café ein. Die haben wirklich leckeres Essen, leckere Scones und einen netten Shop. Das Schloss selbst ist von da oben zwar zu fotografieren, ich mag diese Ansicht nicht wirklich:

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Spannender finde ich schon eher die Perspektive, die die Monty Python Crew schon damals, während der Dreharbeiten zu „The Holy Grail (Die Ritter der Kokusnuss)“, wählten. Diese war flach, von unten am Ufer und bei relativ niedrigem Wasserstand. Also fuhr ich meine Teilnehmer dort runter und wir erkundeten dort als letzten Fotostopp dieser Reise noch ein paar Perspektiven. Ich bin ja immer ein Fan von starken Vordergründen, die das Motiv umrahmen oder zu ihm hinführen, daher mag ich z.B. diesen Blickwinkel:

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Aber auch andere Standpunkte funktionieren. Spannend hierbei ist finde ich, wie unterschiedliche Hintergründe man hier erhalten kann und wie stark die Bildwirkung durch Vorder- wie Hintergrundwahl sich ändert:

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Und hiermit schließe ich den Rückblick auf die Fotoreise vom Herbst 2015, freue mich aber schon auf die kommenden Fotoreisen über Ostern 2016 und im Oktober 2016!

– Martin –

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